Heiner Müller: BILDBESCHREIBUNG
Premiere in Leipzig, Werk 2, Halle A, 25. April 1996

Kathrin Malte

Presse
Diese Theatralisierung von Medien, im Stücktext durch die Wahrnehmungsunsicherheit thematisiert, ist das eigentliche Zentrum dieses ambitionierten Unternehmens. Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode.
Die Regisseure Stefan Kanis und Knut Geißler haben genug (über) Müller gelesen, um sich mit ihrem durchaus verwegenen Team über die nun schon seit einigen Jahren üblichen Variationssprechspiele zwischen Clownerie und Chaos hinwegzusetzen. Sie benutzen den Meister als Anreger und seinen Text nur zur Hälfte. Insofern haben sie eine gerade jetzt hoch anzurechnende Abstoßungsarbeit geleistet, die einer ganzen Generation von stummen Jüngern zeigt, wie man Müller mit und zugleich gegen Müller produktiv machen kann.
--> Thomas Irmer, KREUZER

Die Sehnsucht nach Sicherheit führt zum Ersticken in der Enge, zum Erschöpfungstod in Ausübung von Automatismen.
„Bildbeschreibung“ - ein schwieriges Stück, das in seinen unverständlichsten Momenten nicht aggressiv provoziert, sondern leiden lässt an der Gesamtheit des Unverstandenen und des menschlichen Unverstands.
—> Joachim Seidel, Leipziger Volkszeitung

Der Hauptdarsteller in der Leipziger Produktion „Bildbeschreibung“ nach einem Prosatext von Heiner Müller ist in Berlin der riesige Raum der Parochialkirche. Die Gruppe um die Regisseure Knut Geißler und Stefan Kanis versteht, ihn zu inszenieren, und so macht es vor allem Spaß, den Bewegungen der Darsteller in dieser immensen Weite zuzusehen. Bei der Zurüstung des Prosatextes für die Bühne halten sich die Leipziger an bewährte Rezepte: Brechungen, Ungleichzeitigkeiten, Wiederholungen, dazwischen einige Spielszenen, die von der Schwierigkeit einer Bildbeschreibung handeln, und Choreographien, in denen die latente Aggressivität der Vorlage gelegentlich unnötig deutlich verdoppelt wird.
--> Michael Mans in der taz

So frei die Regisseure auch mit dem Material umgingen, so nah waren sie dennoch am Text.
--> Berliner Morgenpost

Darsteller: Natalie Hünig, Silvana Kraka, Adrian Frieling, Stefan Kanis, Malte Kießler

Musik: UNICYCLEMEN
Regie: Knut Geißler + Stefan Kanis

Eine Produktion von Büro für Off-Theater und INSELbühne, Leipzig