Interview im Kreuzer 5/2018


Fragen von Jana Nowak und Antworten von Knut Geißler für ein Interview im Heft 5/2018 im Leipziger Kreuzer.

Nach Griechenland steht nun Ungarn im Zentrum – wieso haben Sie sich für dieses Land entschieden?
Ich hatte Ungarn, genauso wie zuvor Griechenland, eine Zeit lang vor mir her geschoben. Ich wollte mich sozusagen nicht reflexhaft darauf stürzen. Politische Entwicklungen gehen an den Künsten nicht spurlos vorbei - und manchmal ist es sinnvoll, etwas abzuwarten. Das politische Moment an Off Europa ist am Ehesten, dass es Beschäftigung mit etwas einleitet, dass ein Raum entsteht, der Begegnungen mit einem Land, einer bestimmten Situation, mit Künstlern ermöglicht.

Wie steht es um die Theaterschaffenden in Ungarn? Und im Hinblick darauf, dass fünf von sieben der geladenen Produktionen von Frauen stammen – wie ist es als Theatermacherin dort zu arbeiten?
Die Regierung Orbán, und ihre Kulturpolitik, ist auch für Ungarn, die diese ablehnen, nun mal Realität. Es gab viel versuchte Einflussnahme, auf Orte, über neu eingesetzte Personen, und auf der anderen Seite gab es natürlich Widerstand. Eine ganze Generation Theatermacher hat sich an diesen Umständen abgearbeitet, im Moment ist es etwas ruhiger geworden. Die ungarischen Stadttheater stehen natürlich unter deutlich größerem Druck, unter anderer Beobachtung als Künstler, die in freien Konstellationen arbeiten. In diesem Bereich, der überschaubar ist und für eine Regierung wohl auch nicht sonderlich gefährlich, war formal und inhaltlich schon immer mehr möglich. Wie auch diese starken Frauen. Nach denen ich nicht explizit gesucht hatte. Wahrscheinlich ist ein weiblicher Blick auf eine sich „männlich“ gebärdende Gesellschaft immer interessant und ergiebig. Das war bei Off Europa 2012 im Falle der Türkei ähnlich zu beobachten.

Welche Erfahrungen werden in den Arbeiten thematisiert?
Die Inszenierung „Magyar akác“ (Ungarische Akazie) zum Beispiel ist hoch politisch, eine Theaterarbeit, die klug und frech und böse mit den Widersprüchen ungarischer Gegenwart spielt. Oder Valencia James, die als farbige Frau, als in Ungarn „fremd“ empfundener Körper, diese Ablehnung thematisiert. Die Choreographin Adrienn Hód dagegen verweigert sich einer Beschreibung von äußeren Umständen in ihren Arbeiten komplett und zeigt ihre Tänzer als entfesselt, entgrenzt handelnde Individuen.

Wollen Sie ein Bewusstsein schaffen für eine andere Seite Ungarns?
Mich interessieren Kulturräume. In diesem Sinne wäre es auch möglich gewesen, Ungarn aus der Slowakei oder Ungarn aus Rumänien mit in das Programm zu nehmen. Aber Ihre Frage weist in die entscheidende Richtung: Ich wollte eben jenen politisch etwas verfemten Staat Ungarn näher beleuchten. Über Menschen, die ihn auf eine andere, auf ihre Weise repräsentieren. Das heißt nicht, dass Politik dadurch ausgeblendet sein wird. Es wird viel zu erfahren sein, es lässt sich vieles hören und manches sehen. Und es wird jederzeit möglich sein, nachzufragen.

Nach welchen Kriterien haben Sie das Festival kuratiert? Gab es besondere Schwerpunkte?
Niemand kann ein Experte für dutzende von Ländern sein. Kuratieren ist so ein Angeberbegriff, ich sehe mich eher als Programmmacher. Im besten Fall kann ich Interesse wecken und Angebote schaffen. Ich bin schlicht neugierig und beharrlich, und versuche bei meinen Recherchen offen zu sein. Ich möchte lernen, entdecken - und diese Entdeckungen teilen. Ich glaube an gute, mutige, interessante Künstler und ihre Arbeiten. Und an ein Publikum das sich für sie interessiert.

26 Jahre Off Europa, 16 Länderschwerpunkte – worauf blicken Sie zurück?
Zuletzt waren es zehn Länderschwerpunkte hintereinander, das ist schon ziemlicher Wahnsinn. Von einem Sehnsuchtsland sofort hinein in den nächsten Tunnelblick. Ich bin sehr froh, dass sich die Szene der zeitgenössischen darstellenden Kunst, mit Live Art und Autorentheater, Performance und Tanz im internationalen Maßstab in den letzten Jahren so stark entwickeln konnte, dass Vernetzung und Austausch gut funktionieren. Und dass wir mit diesem speziellen Festival auf dieser Landkarte weiterhin vorkommen.

Trailer "Open Hungary"


Der zehnte Länderfokus hintereinander. Und der 9. Trailer von
Paul Blaudschun.

Song: „Nehéz / Hard“ aus dem Album „Awake in a dream“ von und mit „Meszecsinka“.
Meszecsinka spielen am 25. Mai im Societaetstheater in Dresden und am 26. Mai im LOFFT - Das Theater in Leipzig.


© Paul Blaudschun, 2018

Programmheft Off Europa: Open Hungary


Das Programmheft 2018 zu „Open Hungary" ist da.
Gestaltung:
Gabriele Altevers.

Ein Click auf das Foto leitet Sie zum Gesamtprogramm.
Über den Link darunter lässt sich das Programmheft im Browser ansehen (und ggf. downloaden).
Programmheft Off Europa 2018
Programmheft Off Europa 2018

Open Hungary - open Chemnitz


Im September 2017 noch Griechenland - und im Mai 2018 schon Ungarn.
Gern hätte Off Europa den neuen Spielort des LOFFT auf dem Leipziger Spinnereigelände eröffnet. Unter anderem deshalb sind wir in den Mai gezogen. Nun ist die Eröffnung verschoben. Ab jetzt hoffen wir mit unserem Partner LOFFT, dass der Umzug noch in diesem Jahr stattfinden kann.

Worauf wir nicht mehr länger warten müssen ist eine Zusammenarbeit mit der Chemnitzer Spielstätte Komplex. Off Europa gibt es ab jetzt in Leipzig, Dresden und Chemnitz, also in allen drei sächsischen Großstädten. In diesem Jahr mit handverlesenen Gastspielen aus Ungarn. Vom 21. bis 26. Mai.
Hier das Hauptprogramm in Bildern.

Kristóf Kelemen / Bence György Pálinkás
Magyar akác - Ungarische Akazie in Leipzig, Dresden + Chemnitz
Theater Magyar akác by Krisztina Csányi web
Foto © Krisztina Csányi

cie.ooops Kata Juhász
Warm up - Bemelegítés in Leipzig
Tanz Warm up 1 by Gábor Gáspár
Foto © Gábor Gáspár

Veronika Szabó + Mummy`s Sloppy Honey
War Paint in Chemnitz
Performance Installation War Paint 2 by Lena Meyer
Foto © Lena Meyer

Zsuzsa Rózsavölgyi
1.7 in Leipzig + Dresden
Tanz Performance Lecture 1.7 1 by Gábor Dusa
Foto © Gábor Dusa

Valencia James
Between the World and Me In Leipzig + Chemnitz
Tanz Between The World And Me 1 by Roland Szabo
Foto © Roland Szabo

Timothy and the Things
Schrödingerre várva - Waiting for Schrödinger in Leipzig
Tanz Schrödingerre várva 1 by Zsófia Hevér
Foto © Zsófia Hevér

Hódworks
Grace in Leipzig
Tanz Grace 2 by Daniel Domolky
Foto © Daniel Domolky

Konzert
Meszecsinka in Dresden + Leipzig
Konzert Meszecsinka 3 by Elephant Studio Borisz web
Foto © Elephant Studio Borisz

--> zum Vorwort im Programmheft
--> zum Programm

Ab 15. März werden alle Informationen zu den Aufführungen hier auf der Webseite zu finden sein. Am 1. April wird das gedruckte Programmheft geliefert. Bitte geben Sie uns ein Zeichen und wir senden es Ihnen zu.

Trailer "Theater Kunst Griechenland"


Werbeclip zu "Theater Kunst Griechenland" .

Die verwendete Musik stammt aus dem Album NYN von Kristi & Stathis.
Kristi & Stathis spielen am 20. September im Societaetstheater in Dresden und am 22. September in der naTo in Leipzig.


© Paul Blaudschun, 2017

Programmheft Off Europa 2017


Programmheft von „Theater Kunst Griechenland", gestaltet von
Gabriele Altevers.

Ein Click auf das Foto leitet Sie auf dieser Webseite zum Programm,
während Sie über den Link darunter das Programmheft im Browser ansehen (und es ggf. downloaden) können.

Motiv
Programmheft Off Europa 2017 zum ansehen und ggf. downloaden

Zwischen Melancholie & Widerspenstigkeit


„Würde Griechenland die Europäische Union tatsächlich verlassen, wäre das wahre Europa in Athen, nicht in Brüssel.“ (Giorgio Agamben)
Das LOFFT - Das Theater in Person von Sebastian Göschel hat Off Europa: Theater Kunst Griechenland eine sehr interessante, zusätzliche Veranstaltung beschert. Im Anschluss an das Gastspiel von Nova Melancholia am 16. September.

Das Festival trägt 2017 den Untertitel „Theater Kunst Griechenland“ und wirbt unter anderem mit dem inoffiziellen Hashtag #greeceiseurope. Mehr als eine Woche kommt griechisches Theater nach Leipzig und Dresden. Wir möchten die Gelegenheit nutzen und diskutieren über Theater, Kunst und Griechenland.

„Griechen reicher als wir“ meldete die BILD-Zeitung. Um kurz darauf zu fordern „Nehmt den Griechen den Euro weg“. Uns interessiert weder diese Zeitung, noch ob jemand reicher ist als „wir“. Wir interessieren uns für für das Leben „hinter dem Theater“. In diesem Sinne haben wir ein paar Menschen eingeladen, die mehr als nur Schlagzeilen produzieren können. Die Diskussionsteilnehmer werden versuchen über die Gestade der Schlagwörter (Krise, Pleite-Griechen, Schulden, Grexit) hinauszukommen.
Ein Austausch über politische Rahmenbedingungen, über Lebenswirklichkeiten und wie immer geartete „Chancen auf Zukunft“.

Diskussionsteilnehmer
Natascha Siouzouli (Theaterwissenschaftlerin von der FU Berlin, Mitbegründerin des Institute for Live Arts Research (Athen), arbeitet u.a. in Forschungsprojekten wie „Theatre in Conflict Zones zu Theater in Zeiten der Krise in Griechenland“ oder „Darstellende Künste in Griechenland heute: Eine Ästhetik des Exodus“)

Vassilis Noulas (griechischer Regisseur und Theatermacher, Gründer der Theatergruppe Nova Melancholia)

Guillaume Paoli (Schriftsteller und Philosoph, beschäftigt sich mit Faulheitstheorie und Antiökonomie, publizierte, diskutierte u.a. mit Yanis Varoufakis, war 2008 bis 2013 Hausphilosoph am Leipziger Centraltheater)

Knut Geißler (Leiter des Festivals Off Europa)

Moderator: Michael Wehren (Theatermacher und Theaterwissenschaftler aus Leipzig, u.a. mit "friendly fire")

Link zur Veranstaltung auf Facebook

Off Europa 2017 - das Programm



Das Programm von "Off Europa: Theater Kunst Griechenland" ist fertig.
Freuen Sie sich mit uns zwischen 16. und 23. September in Leipzig + Dresden auf folgende Aufführungen und Künstler.

Nova Melancholia
Ektoplasmata
Ektoplasmata 2 Hand by Nikos Katsaros beschnitten
Foto © Nikos Katsaros

Lambros Pigounis
Sacrificial Mirror. An Interactive Sound Art Performance
Sacrificial Mirror 2 gebeugt by Dimitra Tzanou
Foto © Dimitra Tzanou

Giannis Karounis
Nature
Nature 1 setting by Saltator
Foto © Saltator

Ioanna Portolou + Griffόn Dance Company
Porn (nur in Leipzig)
Porn 2 Maske by Myrto Apostolidou
Foto © Myrto Apostolidou

Konzert
Kristi & Stahis
Kristi Stassinopoulou & Stathis Kalyviotis 1 Konzert by Dionissis Stefanopoulos
Foto © Dionissis Stefanopoulos

Athanasia Kanellopoulou
RUPTURE persefoni
Rupture Persefoni 2 Mauer by Stathis Dimou beschnitten
Foto © Stathis Dimou

Chrysanthi Siembou + Athanasia Kanellopoulou
into her geo#metries
into her geo#metries 2 by Chrysanthi Siempou beschnitten
Foto © Chrysanthi Siempou

blitz theatre group
Late Night (nur in Leipzig)
Late Night 1 Christos joking © Vassilis Makris beschnitten
Foto © Vassilis Makris

... zum Vorwort im Programmheft
... zum Gesamtprogramm

Griechenland = Europa


Der nächste Jahrgang von "Off Europa" wird Griechenland gewidmet sein.
Termin: 16. - 23. September 2017
Orte + Partner: Kinobar Prager Frühling,
Cinémathèque, LOFFT- Das Theater, die naTo, Theater der Jungen Welt, Societaetstheater Dresden

Off Europa Vorschau 2017
Gestaltung: Gabriele Altevers

der Trailer zu "Sehnsucht Suomi"


Der Werbeclip von Off Europa 2016, "Sehnsucht Suomi" ist fertig.

Die verwendete Musik stammt von Jaakko Laitinen & Väärä Raha, am 16. September im UT Connewitz Gäste der legendären Leipziger Partyreihe BAIKALTRAIN.


© Paul Blaudschun, 2016

Programmheft "Sehnsucht Suomi"


Programmheft von „Off Europa: Sehnsucht Suomi", gestaltet von
Gabriele Altevers.

Ein Click auf das Foto leitet Sie auf dieser Webseite zum Programm,
während Sie über den Link darunter das Programmheft ansehen (und es ggf. downloaden) können.

Programmheft Off Europa 2016

Programmheft Off Europa 2016 zum ansehen und ggf. downloaden

Off Europa: Sehnsucht Suomi - das Programm


Das Programm für das Finnland gewidmete Off Europa-Festival des Jahres 2016 ist fertig. Zwischen 16. und 24. September werden in Leipzig und Dresden folgende Künstler und Aufführungen gastieren:

Konzert
Jaakko Laitinen & Väärä Raha (nur in Leipzig)
Konzert Jaakko Laitinen auf Ski by Jukka Merimaa
Foto © Jukka Merimaa

Sari Palmgren
The Earth Song (nur in Leipzig)
The Earth Song Tragen by Uupi Tirronen
Foto © Uupi Tirronen

Anna Paavilainen / Klockriketeatern
Play Rape
Play Rape by blow in blue Tani Simberg : Baltic Circle Festival
Foto © Tani Simberg / Baltic Circle Festival

Ismo Dance Company
Writing Dancing
Writing Dancing Jump by Sakari Viika
Foto © Sakari Viika

Pasi Mäkelä
TONTTU
TONTTU an der Fassade by Tata Robitashvili
Foto © Tata Robitashvili

Konzert
UUSIKUU (nur in Dresden)
Konzert UUSIKUU Sängerin Laura Ryhänen by Paul Medley 2016
Foto © Paul Medley 2016

Sabotanic Garden
FANTOM
FANTOM live by Klaudie Alma
Foto © Klaudie Alma

Nom Kollektiv
ANTHEM (nur in Leipzig)
ANTHEM in Bewegung by Mika Haaranen
Foto © Mika Haaranen

... zum Vorwort im Programmheft
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Finnland


Das Land m September 2016 wird Finnland sein.

Vorschau Off Europa 2016
Gestaltung: Gabriele Altevers

Trailer zu "next stop Hrvatska"


Hier der Clip zur diesjährigen Ausgabe von Off Europa namens "next stop Hrvatska".
Die verwendete Musik "Ona se budi" ist eine Komposition aus dem - in der Aufführung
A Gdje Je Revolucija, Stoko? (am 23. September in Leipzig und am 25. September in Dresden) gecoverten - Album Paket aranžman. Einer New Wave-Compilation aus dem Jahr 1981 mit drei stilprägenden Bands, die in Ex-Jugoslawien so ziemlich jedes Kind kennt.

In unserem Video ist eine Version des Zagreber feministischen Chores
Le Zbor aus dem Jahr 2014 zu hören.


© lnrdshelby 2015

Programmheft zu "next stop Hrvatska"


Das Programmheft zu „Off Europa: next stop Hrvatska" ist fertig.
Wie in den letzten Jahren gestaltet von
Gabriele Altevers.

Ein Click auf das Foto leitet Sie auf dieser Webseite zum Programm,
während Sie über den Link darunter das Programmheft ansehen (und es ggf. downloaden) können.

Programmheft Off Europa 2015

Programmheft Off Europa 2015 zum Ansehen und ggf. downloaden

next stop Hrvatska - zum Programm


Wir freuen uns, das Programm für das Kroatien gewidmete "Off Europa" des Jahres 2015 veröffentlichen zu können. Im "LOFFT - Das Theater", im Theater der Jungen Welt in Leipzig und im Societaetstheater in Dresden werden zwischen 18. und 26. September unter anderem folgende Künstler und Aufführungen zu sehen sein:

Sonja Pregrad & Willy Prager
SEQUEL FOR THE FUTURE / a dance in 2043 / a dance in 2044 (nur in Leipzig)
a dance in 2043 web how to do art by Damir Žižić
Foto © Damir Žižić

Lada Petrovski Ternovšek
NÓTT
NOTT 2 Schleppe by PTL : Sunčan P. Stone
Foto © PTL / Sunčan P. Stone

Petra Hrašćanec / Saša Božić
Love will tear us apart
Love will tear us apart 2 Liegen 4c by Danko Stjepanović
Foto © Danko Stjepanović

Montažstroj
A gdje je revolucija, stoko? (Und wo ist die Revolution, Dummköpfe?)
A Gdje Je Revolucija 4 Pararararam by Damir Žižić
Foto © Damir Žižić

Silvia Marchig & Darko Japelj
Ovo (ni)je moja šuma - Das ist (nicht) mein Wald
Ovo (ni)je moja šuma 3 Schminken by Dejan Štifanić
Foto © Dejan Štifanić

Marjana Krajač
CHOREOGRAPHIC FANTASY NO. 1
CHOREOGRAPHIC FANTASY NO. 1 3 Liegen web by Iva Korenčić Čabo
Foto © Iva Korenčić Čabo

... zum Schnellfinder
... zum Gesamtprogramm

Interview im Magazin "Dresdner"


Material zu einem Interview mit Festivalleiter Knut Geißler für das Stadtmagazin "Dresdner".

Sind Sie der alleinige Organisator des Festivals? Obliegt Ihnen die Auswahl und Koordination der Beiträge?
Veranstalter von Off Europa ist das Büro für Off-Theater, dessen Geschäftsführer ich bin. Meine Hauptarbeit ist das Festival. Natürlich gibt es ein paar Personen im Umfeld, Berater, Ideengeber, und ein paar Mitarbeiter in den Tagen der Durchführung, aber im Wesentlichen arbeite ich allein. Entscheide über die Ausrichtung, reise, wähle aus und organisiere.

Monocrossing female dancer by Iosif Astrukov
Foto aus Monocrossing, am 24. September im Societaetstheater © Iosif Astrukov

Was ist für Sie das Besondere an der bulgarischen Theater-/Film-/Performancekunst? Was unterscheidet also das Off Europa dieses Jahr von den vergangenen Jahren...
Bulgarien ist natürlich anders als die Türkei oder die Slowakei. Die Bedingungen, die Art der Zusammenarbeit, die Themen mit denen Künstler sich beschäftigen. Meine Arbeit, besondere Qualitäten, die interessantesten Künstler aufzuspüren, beginnt unter neuen Vorzeichen jedes Jahr von vorn, ist ein tiefes Eintauchen in einen fremden Kosmos. Prinzipiell aber gibt es wenig Unterschiede zu anderen Ländern der Region, oder zwischen Städten wie Sofia, Bukarest oder Belgrad. Man kennt sich, trifft sich bei vielen Gelegenheiten, ist gut vernetzt. Es gibt viel Bewegung weil ständig Leute ins Ausland wechseln oder von dort nach Bulgarien zurück kehren. Das mischt die Konstellationen permanent. Und hält durch vielfältigste Einflüsse die Qualität hoch. Man hat weniger Geld als in Mitteleuropa, klar, muss also etwas mehr improvisieren. Aber gerade das atmet große Freiheit. Und hilft oft eine andere Art von Selbstbewusstsein und Persönlichkeit zu entwickeln.

Gibt es im Programm thematisch einen „roten Faden", oder ein Kriterium, nach dem in diesem Jahr die Beiträge ausgewählt wurden?
Ein solches Programm in einer Bandbreite von experimentellem Tanz bis Dokumentarfilm balanciert sich durch die Auswahl komischerweise beinahe von selbst aus. Weil man natürlich nichts einlädt was nicht zeigenswert wäre. Die Auswahl ist eine Abwägung: Was ist auffällig, was kann etwas erzählen, zeigt etwas über das Land, die Umstände dort? Was davon ist außerhalb Bulgariens nachempfindbar? Auch weil es bei mancher Produktion Sprach- oder Verständigungsbarrieren gibt oder sie zum ersten Mal nach Westeuropa reist. Das geht bis hin zu Unterschieden in der Rezeption in Leipzig und Dresden. In Dresden haben wir sechs Tage Programm. Und neben Gesprächen, Musik und Filmabend sechs Aufführungen an Theater, Tanz, Performance.

Was sind Ihre persönlichen Highlights unter den Darbietungen? Haben Sie besondere Empfehlungen?
Da sind meine Vorlieben sicher nicht entscheidend. Zuschauer sollten sich am Ehesten an den Genres orientieren. Als Soloperformer immer interessant, anregend und provokant ist Ivo Dimchev. Für Liebhaber reinen Tanzes empfiehlt sich „Monocrossing“ von Derida Dance. Eher experimentell, aber auch augenzwinkernd sind die Aufführungen der Teams von Irina Goleva und Willy Prager. Über Menschen im heutigen Bulgarien erzählt am meisten das Dokumentartheater von Vox Populi.

Wie würden Sie das Ziel Ihres Festivals definieren? Was soll dem Zuschauer vermittelt/in ihm bewegt werden?
Im Mittelpunkt stehen zunächst die Länder. Über die im Detail nur wenige Leute etwas wissen und über die bei uns wenig zu erfahren ist. Und die Künstler dort, die durch oft oberflächlich operierende internationale Gastspiel-Netzwerke kaum Chancen haben entdeckt oder auch nur wahrgenommen zu werden. Es ist mir wichtig, dass diese Künstler eine Möglichkeit bekommen sich in Mitteleuropa zu zeigen. Das geht immer etwas unter, aber wir, also Off Europa und damit Leipzig und Dresden, waren in vielen Fällen eine Art Sprungbrett oder Katalysator für internationale Beachtung. Dass eine solche Präsentation gleichermaßen interessant für einheimische Theaterschaffende und Zuschauer ist liegt auf der Hand. Wir reden von sehr gut ausgebildeten, selbstbewussten Künstlern aus größeren Städten als Leipzig und Dresden.

Gibt es in Dresden etwas zu sehen, was in Leipzig nicht aufgeführt wird?
Das Programm in Dresden ist zumeist ein wenig kleiner, allein schon weil wir in Leipzig mit zwei Filmkunsthäusern zusammenarbeiten. Eines davon gestaltet einen Abend mit Filmen aus Bulgarien in eigener Verantwortung und Regie. Diese Filme wird es in Dresden nicht geben. Eine Vorstellung immerhin gibt es in Dresden exklusiv: Der Performer Ivo Dimchev reaktiviert für das Societaetstheater sein autobiographisches Stück „Som Faves“. Das wurde vor beeindrucktem Publikum vor einigen Jahren bei der Leipziger „euro-scene“ gezeigt. Für Dresden holen wir das jetzt quasi nach.

Würden Sie sagen, dass das Dresdner Publikum aufgeschlossen gegenüber der osteuropäischen Kunst ist oder gibt es da Nachholbedarf? Gab es einen besonderen Grund oder Anlass, das Festival 2008 auch auf Dresden auszudehnen?
In Leipzig ist Off Europa etabliert. Das heißt die Leute reagieren zuverlässig darauf. Und die Hauptspielstätte LOFFT ist ein anerkannt guter Ort für diese Art von zeitgenössischer Kunst. Auch wenn natürlich nicht jeder, der Interesse an beispielsweise Georgien hat, nach drei Jahren zu einer Tanzperformance aus Bosnien wiederkommt. Auf Dresden auszudehnen war ein alter Wunsch. Die Arbeit wurde etwas nachhaltiger. Schließlich bedeutet es einen gewissen Aufwand eine Karawane von etwa 40, 50 Künstlern in Bewegung zu setzen. Mittlerweile haben die Künstler mehrere Auftritte. Auch schon in Chemnitz wenn es sich anbot. Die Neugier in Dresden war in den ersten Jahren erfreulich groß. Das hatte zuletzt leider etwas nachgelassen. Vielleicht wird Off Europa in Dresden immer noch etwas als Fremdkörper wahrgenommen. Ein ganzes Festival zu Gast, das bedeutet vielleicht auch ein Vermittlungsproblem, aber ich denke Off Europa ist seit 2008 eine große Bereicherung für den Theateralltag in der Stadt. Einer Stadt, die traditionell eine besser entwickelte Beziehung zu Osteuropa hat als zum Beispiel Leipzig.

Die Fragen stellte Willy Barthold.

Im Kreuzer im September


Fragen von Mathilde Lehmann und Antworten von Knut Geißler im Zusammenhang mit einem Artikel im Septemberheft des Leipziger Kreuzer.

Jedes Jahr wird bei Off Europa freie darstellende Kunst aus einem anderen Land Europas vorgestellt. Dieses Jahr ist das Thema: Discover Bulgaria. Wie kam es dazu?
Bulgarien stand schon lange auf der Liste. Bei der Balkan-Tanz-Plattform 2007 in Athen waren Bulgaren wahrscheinlich nicht nur für mich eine Offenbarung; die formbewusstesten, kräftigsten Performer. Der Mut von Künstlern wie Ivo Dimchev oder Krassen Krastev, die formale Strenge von Galina Borissova haben Maßstäbe gesetzt. So etwas verfolge ich. Und lerne gern auch die kennen, die an so etwas anknüpfen.

Plakatmotiv Off Europa 2014 beschnitten
Ausschnitt aus dem Plakat. Foto: Boriana Pandova. Gestaltung: Gabi Altevers

Mit welchen Kriterien entscheiden Sie über die Auswahl der Produktionen, die zu sehen sein werden? Welche ästhetischen Schwerpunkte werden gesetzt?
Das hat viel mit Balance zu tun. In einer Bandbreite zwischen experimentellem Tanz und Dokumentarfilm. Was ich dann auswähle ist vor allem eine Abwägung: Was ist auffällig, was kann etwas erzählen, zeigt etwas über das Land, die dortigen Umstände? Was davon ist nachempfindbar? Auch weil es bei mancher Produktion Sprach- oder Verständigungsbarrieren gibt oder sie zum ersten Mal nach Westeuropa reist. Das geht bis hin zu Unterschieden in der Rezeption in Leipzig und Dresden. In Leipzig so meine Empfindung ist das Publikum in den letzten Jahren wieder neugieriger geworden.

Wie organisiert sich Theater in Bulgarien - Stadttheater, freie Szene, kann mit unseren Begriffen überhaupt analog hantiert werden?
Das ist genauso getrennt, also sehr ähnlich. Einschließlich einiger „Nischen“ an Stadttheatern wie der hiesigen „Residenz“ in der Spinnerei, wo versucht wird das Publikum etwas zu verjüngen oder „Hippness“ anzutäuschen. Der große Unterschied ist, dass in (Süd)Ost-Europa das Freie Theater oft als das zeitgenössische oder gar das „Neue Theater“ bezeichnet wird. Da gibt es trotz schlechter Arbeitsbedingungen viel Selbstbewusstsein. Ich rede natürlich von großen Städten, größer als Leipzig und von gut ausgebildeten Künstlern.

Können Sie einen Vergleich anstellen zwischen zeitgenössischem Tanz in Bulgarien und woanders? Gibt es denn, wenn, eine Tendenz (formal oder inhaltlich) vor Ort?
Noch deutlicher als hier sammeln sich die Unruhegeister, die Charismatiker in den Hauptstädten. Und da gibt es wenig Unterschiede zwischen Sofia, Bukarest oder Belgrad. Es ist ein Kommen und Gehen, viele Künstler arbeiten zeitweise im Ausland, so dass alles nicht wesentlich anders funktioniert oder aussieht als in Westeuropa. Man hat weniger Geld, klar, muss also etwas mehr improvisieren, vielleicht. Aber gerade das atmet große Freiheit.

Gönnen Sie mir einen Ausblick - welche Länder würden Sie gerne als nächstes dem Publikum in Leipzig und Dresden Zugang verschaffen und warum?
Ich habe mich gerade von der Idee Ukraine verabschiedet. Der nächste Stop wird Kroatien sein. Für MANöVER/Off Europa das letzte unentdeckte Stück Ex-Jugoslawien, weil das künstlerisch bisher am wenigsten auffällige. Die Gründe sind immer die gleichen: Neugier auf Menschen und ihre (Arbeits)Umstände. Und Hoffnung auf interessantes Theater.

Die Fragen stellte die Autorin Mathilde Lehmann im Juli 2014.

Trailer zu "Discover Bulgaria"


Hier der Clip zu „Off Europa: Discover Bulgaria" .

Die Musik stammt aus der Aufführung Identity von Irina Goleva, am 20. September in Leipzig im UT Connewitz und am 23. September in Dresden im Societaetstheater, dort live gespielt von Hristina Beleva auf der Rebek, einem mittelalterliches Streichinstrument, einem Vorläufer der Violine.


© lnrdshelby 2014

Programmheft fertig


Das Programmheft zu „Off Europa: Discover Bulgaria" ist fertig.
Gestaltet von
Gabriele Altevers.

Wer auf das Foto klickt wird auf dieser Seite zum Programm geleitet,
über den Link darunter lässt sich das Programmheft ansehen und ggf. downloaden.

Programmheft Off Europa 2014
Programmheft Off Europa 2014

Anzeige Programmheft euro-scene


Anzeige für das auf den Innenseiten schwarz-weiß gedruckte Programmheft der Leipziger euro-scene. Mit dem Verweis auf das Land für 2015: Kroatien.
Das Foto von Anna Bacheva zeigt den Strand von Kara Dere in Bulgarien, gestaltet wurde die Anzeige von Gabi Altevers.

Anzeige Off Europa im Programmheft der euro-scene

Banner für die L-IZ


Banner Off Europa L-IZ 300 x 120

Nettes Teil: Banner für unseren Medienpartner Leipziger Internet Zeitung.
Dank für die Gestaltung an Gabi Altevers.

Eine erste Printanzeige


Eine erste Anzeige zu "Off Europa: Discover Bulgaria" gestaltet von unserer Graphikerin Gabi Altevers für das Programmheft des Leipziger Bewegungskunstpreises.

Anzeige Bewegungskunstpreis
© Wikipedia / joadl / Cc-by-sa-3.0-at

Off Europa: Discover Bulgaria - zum Programm


Das Programm für „Off Europa: Discover Bulgaria" - vom 19. bis 28. September in Leipzig und Dresden - steht im Wesentlichen fest.
Im UT Connewitz, im LOFFT - Das Theater (beides in Leipzig) und im Socieatetstheater Dresden werden unter anderem zu erleben sein...

Martin Penev & Stanislav Genadiev, Sofia
Big Gun
Big Gun Pose by Mariza Kolcheva
Foto © Mariza Kolcheva

Irina Goleva / Сдружение „По действителен случай“, Sofia
Identity
Identity Christina und Irina by John Fru Jones
Foto © John Fru Jones

Jivko Jeliazkov / Derida Dance Company, Sofia
Monocrossing
Monocrossing Füße by Iosif Astrukov
Foto © Iosif Astrukov

Ivo Dimchev, Sofia/Wien/Brüssel
ICURE (nur in Leipzig)
Lili Handel Trumpet in the face by
Foto © Tamas Katko

Ani Vaseva, Sofia
Allesfresser (nur in Leipzig)
Vsichkoiadezat Sofa by Georgi Sharov
Foto © Georgi Sharov

Ivo Dimchev, Sofia/Wien/Brüssel
Som Faves (nur in Dresden)
Some Faves Künstler by Marian Ivanov
Foto © Marian Ivanov

Vox Populi - Studio für Dokumentartheater, Sofia
Yatze Forkash
Yatze Forkash mit Projektion und Akkordeon by Michail Georgiev
Foto © Michail Georgiev

Willy Prager, Sofia/Berlin
Transformability
Transformability Tanz by PromoArtStudio
Foto © PromoArtStudio

Details zum Programm sind ab jetzt hier... zu lesen.

Nächster Halt: Bulgarien


Im September 2014: Bulgarien.
Off Europa Motiv 2014
Gestaltung
Gabriele Altevers

Zu Gast bei der Sofia Dance Week


Interview mit Knut Geißler für die bulgarische Webseite dramaturgynew.net, einer Plattform für Kritik und Theorie der darstellenden Künste, anlässlich der Sofia Dance Week" im Oktober 2013

Können Sie sich kurz vorstellen?
Off Europa, das Festival für das ich arbeite, ist in jedem Jahr einem anderen Land gewidmet. Im Herbst 2014 ist ein Blick auf die zeitgenössische darstellende Kunst Bulgariens geplant.

Wie viele und welche Aufführungen werden Sie einladen?
Wir werden fünf oder sechs Tage Programm haben, und so vielleicht sieben oder acht Aufführungen einladen. Aber nicht nur Tanz. Wie in jedem Jahr werden wir versuchen, ein ausbalanciertes Programm mit Beispielen von hoher Qualität aus der gesamten Landschaft zeitgenössischer darstellender Kunst eines Landes zu präsentieren. Kurz nach Beginn unserer Recherchen ist es noch zu früh zu wissen, was passieren wird. Aber egal: Etliche bulgarische Künstler werden die Möglichkeit haben, ihre Arbeit(en) im Ausland zu zeigen und Publikum in zwei deutschen Städten wird einen Eindruck von zeitgenössischem Theater aus Bulgarien bekommen können. Beides ist einfach wichtig.

Wie würden Sie das Programm der bulgarischen Plattform auf der Sofia Dance Week einschätzen? Haben Sie etwas gesehen, was Sie beeindruckt hat?
Natürlich war das Programm eine ausgezeichnete Gelegenheit eine große Breite an Arbeiten sehen zu können. In Verbindung mit dem Präsentationen am zweiten Tag ergab sich ein aussagekräftiges Bild über den zeitgenössischen Tanz in Bulgarien. Für mich am Interessantesten waren die kleineren, eher persönlichen Arbeiten von Iva Sveshtarova und Violeta Vitanova oder Martin Penev. Wobei gerade diese etwas unter den zu großen Aufführungsorten zu leiden hatten.

Violeta
Violeta Vitanova in „а(е)фектно"
Foto ©phelia Barouh / Sofia Dance Week

Sie reisen viel; können Sie einen Vergleich des bulgarischen Tanzes mit dem machen was Sie sonst so sehen?
Eine Arbeit wie „Monocrossing” ist von hohem internationalen Standard, dabei aber kaum mehr als bulgarisch zu identifizieren. Während man über so etwas wie „Ballet Arabesque” besser nicht reden sollte. Solche „Kunstausübungen” von irgendwie zusammengecasteten Tänzern gibt es auf der ganzen Welt. Vielleicht fehlte im Programm ein Künstler wie Willy Prager, der sich etwas mehr über Inhalte definiert. Ein Sonderfall ist natürlich Ivo Dimchev, der in der internationalen Performance-Szene schon seit Jahren eine Art Ikone ist. Was für ihn wahrscheinlich eine anhaltende Herausforderung darstellt.

Sie haben Ivo Dimchevs Aufführung auch in Deutschland gesehen, gibt es einen Unterschied in der Rezeption zwischen dort und hier?
Ich sah bisher nur „Concerto” und „I-on”. Über „P-Project” hatte ich einiges gelesen aber konnte mir zunächst nur wenig darunter vorstellen. Nun sah ich es in Sofia, und verstand kein einziges Wort. Was immer sehr schön ist - weil man sich auf das Beobachten konzentrieren kann. Natürlich ist das Stück sehr spielerisch, aber ich denke in Westeuropa wirkt es sicher abstrakter. Wie eine Reflektion über, eine Übung von Kunst; eine Art Lehrstunde zu Verführung und Exibitionismus. In Sofia war die Situation etwas anders. Bei allem Abstand nach Jahren im Ausland wirkte Ivo Dimchev so als sei er „zu Hause” angekommen. Und was er tat, und was passierte, war mindestens so attraktiv wie gefährlich: als „einer von ihnen” konnte er auf gute Kooperation mit „normalen” Zuschauern und „Bewunderern” vertrauen - aber die mussten sich vorzeigen - und also messen lassen. Das war in einer solch besonderen Binnenumgebung sicher anders als in einer „normalen” Aufführungssituation irgendwo auf dieser Welt. Weniger abstrakt und damit wahrhaftiger, aber eben auch fragiler. An eine Arbeit wie diese wird man sich sicher lange erinnern.

Die Fragen stellte Albena Tagareva.
Zur Webseite, zum Interview auf bulgarisch, gelangen Sie hier...

Interview für die Theaterzeitschrift kød


Interview mit Knut Geißler in der Septemberausgabe der slowakischen Theaterzeitschift kød - konkrétne o divadle", Bratislava

Stellen Sie uns die Biografie des Festivals Off Europa vor. Wann und wie ist es entstanden, wie sah es ganz am Anfang aus? Welche Vision und Ambitionen hatten Sie bei seiner Gründung?
Gegründet 1992 in Leipzig, damals noch unter dem Namen MANöVER, war es in den ersten beiden Jahren ein „normales“ Theaterfestival, hielt Ausschau nach beispielhaften Inszenierungen aus dem nichtinstitutionellen Bereich. Nicht nur einfach um nach dem politischen und kulturellen Neuanfang zu Beginn der Neunziger Jahre Theater in die Stadt zu holen, auch für uns selbst als Theatermacher als Horizonterweiterung. Seit 1995 begannen wir im Jahreswechsel deutsche und spezielle internationale Ausgaben zu machen. Das hielt bis 2005, dann fand ich Deutschland nicht mehr so interessant. Nach einigem hin und her, nach finanziell mageren Jahren gelang es 2008 das Festival unter neuem Namen auf Dresden auszudehnen, und seitdem gibt es nur noch internationale Ausgaben. Zuletzt unter anderem Bosnien-Herzegowina, Albanien/Kosovo und die Türkei,.

Ihr Festival präsentiert jedes Jahr das Schaffen und Künstler aus einem ausgewählten Land, und zwar die Formen seines performativen Theaters und Tanztheaters. Was macht für Sie genau diese Art des Theaters zu etwas einzigartigem?
Man wählt natürlich immer an Hand dessen, was man vorfindet. Dabei ist Sprechtheater nie ausgeschlossen. Es muss nur - allgemein gesagt - transferierbar sein, und für das Publikum einzuordnen und wertzuschätzen. Am Tanz, oder auch an eher performativen, kleineren Theaterformen schätze ich insbesondere dass der Schaffensprozess, die Kreation ablesbar, erlebbar wird, und der/die Schöpfer zumeist auch anwesend sind. Man könnte bildhaft beschreiben dass man als Zuschauer „unmittelbar vor dem Risiko“ sitzt. Das ist oftmals sehr spannend.

Sie stellen das Programm des Festivals selbst und allein zusammen, dadurch dass Sie das Land, seine Theatermacher und deren Schaffen persönlich kennenlernen. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie sich beim Auswahlverfahren der Produktionen?
Ich glaube das ist ähnlich wie bei einer Kunstsammlung. Man saugt sich eine Zeit lang voll mit Informationen, Eindrücken, Begegnungen - um dann mit diesem Hintergrundwissen die Ergebnisse, also die (hier Bühnen-)Arbeiten anzuordnen. Da wird immer einiges nicht möglich sein, also auch immer etwas fehlen, und weil die Auswahl subjektiv erfolgt wird es auch nie eine komplette Bestandsaufnahme sein können; aber immerhin ein Schlaglicht, ein lebendiger Ausriss dessen, was existiert und von hohem Wert ist.

Konsultieren Sie Ihre Auswahl der Produktionen mit jemandem, der sich im Kontext und Hintergrund der Theaterszene des Landes auskennt?
Natürlich. Journalisten, Mitarbeiter von Veranstaltungsorten, das Theaterinstitut falls es so etwas gibt... das sind die ersten Kontaktaufnahmen, und die ersten - machmal auch versteckten - Verhöre über Orte und Arbeitsbedingungen, über Künstler und ihre Arbeitsbiographien.

Sind Sie bei der Auswahl der Produktionen mit etwas begrenzt?
Off Europa ist ein spezielles Vorhaben, mit einem für Deutschland sehr kleinem Etat. Die „euro-scene“, das andere Leipziger Festival, das letztlich ganz normal am Markt unterwegs ist, in diesem Karussell artigen internationalen Festivalbetrieb, hat beinahe das zwanzigfache an Budget. Den geringen finanziellen Möglichkeiten geschuldet ist dass ich überwiegend allein arbeite. Die größte Einschränkung aber ist, dass die Räume auf die wir zugreifen können nicht alles ermöglichen. In Leipzig lassen sich meist Alternativen finden, dort ist Off Europa immer an verschiedenen Orten, mit verschiedenen Größen und unterschiedlichster Ausstrahlung. In Dresden, wo ich selbst nur Gast bin, ist es schwieriger neben dem Societaetstheater, wo beide Bühnen etwas kleiner sind, noch weitere Räume zu finden.

Im Rahmen des Festivals präsentieren Sie die slowakischen Darsteller und Tänzer, die in der Slowakei tätig sind und gleichzeitig diejenigen, die schon im Ausland Zuhause sind. Spiegelt sich dieser geografische Unterschied in ihrem Schaffen wider?
Um das zunächst für die Türkei zu beantworten: In diesem Fall war das deutlich so. Die in Mitteleuropa arbeitenden Künstler waren mehr auf sich selbst fokussiert, auch auf ihre theatrale Form; nicht dass sie völlig unpolitisch waren, aber der Spirit, die Kraft von Istanbul fand sich in ihren Arbeiten nicht. Im Falle der Slowakei denke ich sind die Unterscheide nicht so groß, die im Land arbeitenden Künstler wirken etwas verankerter, eingebettet in einem über das Land gewobene Netz von Veranstaltungsorten und Künstlerkollegen. Die ich im übrigen immer sehr aufgeschlossen, sehr neugierig auf die Arbeiten von Kollegen erlebt habe, was nicht in jedem Land so selbstverständlich ist.

Jährlich bringen Sie dem deutschen Publikum das Schaffen, Erfahrungen und Aussagen der Theatermacher und Tänzer aus der Region, die östlich von Ihrem Land liegt. Interessiert sich das deutsche (d.h. westliche) Publikum (Experten als auch Laien) noch immer für uns?
Ich empfinde vor allem Kollegen, also Veranstalter, Künstler, und auch die Medien als ziemlich ignorant dem Osten gegenüber. Nach wie vor ist das was ich tue exotisch in deren Augen. Dabei gibt es kaum etwas Spannenderes als neugierig zu sein, Dinge zu entdecken, die nicht so „naheliegend“ sind. Beim Publikum ist das etwas zu beeinflussen, zu steuern, denke ich. Mit einem interessanten Programm und gelungener Kommunikation kann man potentielle Zuschauer durchaus motivieren. Eine grundsätzliche Neugier und Aufgeschlossenheit aber gibt es auch hier nicht. Das endete in Leipzig abrupt bereits so um 1995. Wobei das für Gastspiele aus dem Westen nicht viel anderes ist. Das Theater mag nicht tot sein, aber es hat an Bedeutung verloren.

Meiner Wahrnehmung nach ist die Slowakei, d.h. auch die slowakische Kunst und Künstler in Deutschland kaum präsent und zu sehen. Auf der einen Seite fehlt uns der Kontext einer unmittelbaren gemeinsamen Geschichte, die z.B. Polen oder Tschechien haben, auf der anderen Seite sind wir nicht genug „exotisch“ wie die Balkanländer oder die Ukraine. Empfinden auch Sie die Abwesenheit der Slowakei in kulturellen und interkulturellen Projekten? Und warum ist das aus Ihrer Sicht so?
Es gibt kaum nachhaltige Partnerschaft(en). Und so ist das immer wie ein kurzes Zucken. Durch die Kulturhauptstadt Košice ist die Slowakei in diesem Jahr in ganz Europa etwas präsenter. Auch in Leipzig. Mit ein paar Residenzen von bildenden Künstlern, ein kleiner Film hier, ein Kammerkonzert da. In Deutschland, auch in der Förderung von Kultur allgemein, erleben wir eine extreme Fixierung auf events. Wagner-Jahr, Jubiläum der Völkerschlacht. Es fließt irgend welches Geld - und viele Künstler erfinden Arbeiten für solche Anlässe. Die ich als losgelöst vom Leben und somit verlogen und langweilig empfinde.

Welche Klischees über die Kunst und Künstler aus Osteuropa haben Sie in der Slowakei gefunden?
Dazu kann ich wenig sagen. Ich suche und finde im günstigen Fall immer Individuen und damit Vielfalt. Unterschiedliche Handschriften, Arbeitsweisen, Mentalitäten. Ich sehe und achte die Künstler als Menschen. Weniger als Angehörige einer Nation.

Wo sehen Sie das Potential der slowakischen Darsteller und Tänzer, bzw. unserer Tanzszene und Szene des performativen Theaters?
Wenn es keine Qualität gäbe, und nicht einen gewissen Ruf, eine gewisse Ausstrahlung, hätte ich die Slowakei nicht in Erwägung gezogen. So blöd, simpel, abgekaut das klingt: Wichtig ist immer Vernetzung. Und dabei haben Veranstalter, auch Kulturfunktionäre - bis hin zu Ihrer Regierung - eine hohe Verantwortung. Nicht zu verkaufen, sondern Öffentlichkeit zu schaffen - und Rahmenbedingungen die Arbeit und Austausch ermöglichen und befördern. Irgendwie bin auch ich immer für ein Jahr eine Art Kulturbotschafter der jeweiligen Länder.

Würden Sie etwas als das typische bzw. gemeinsame für das slowakische Off-Theater deuten?
Der Ruf von dem ich zuvor sprach ist - oberflächlich wiedergegeben - „es gibt da gute Performer“. Das kann ich mittlerweile klar bestätigen. Bei den ausgewählten Arbeiten existieren Kraft und Leidenschaft neben Genauigkeit und - man kann durchaus sagen - Disziplin. Die wahrscheinlich auch guten Dramaturg(i)en zu verdanken ist.

Was halten Sie für das Authentische im Rahmen der Kunst? Haben Sie innerhalb der slowakischen Szene etwas gefunden, das Sie als authentisch bezeichnen würden?
Für mich ist das Authentische wenn der Künstler nicht hinter seinem Werk verschwindet. Er mag darin aufgehen, aber ich möchte ihn (wieder)erkennen. Für Off Europa bedeutet Authentizität vor allem, dass ich mir alle aus der Slowakei eingeladenen Arbeiten nicht losgelöst von ihren Entstehungsorten vorstellen kann. Auch deshalb halte ich die gastierenden Künstler für relevant und fähig, ihr Land zu (re)präsentieren.

Wie könnte das Motto des diesjährigen Festivals „Off Europa: Perform Slovakia“ lauten?
Das Motto ist in jedem Jahr das gleiche: „Sieht dir die Leute an. Du bist reicher danach.“

Die Fragen stellte Katarina Weissová.

Interview mit Sláva Daubnerová


Ab 9. September Dokumentar- und Spielfilme in der Kinobar Prager Frühling, vom 14. bis 20. September zeitgenössisches Theater und Tanz in UT Connewitz, in der naTo und im LOFFT; die diesjährige Ausgabe des Festivals „Off Europa“ steht ganz im Zeichen der Slowakei. Eine der schillerndsten Gäste wird die Schauspielerin und Regisseurin Sláva Daubnerová aus Bratislava sein.
Festivalleiter Knut Geißler hat sich für die L-IZ mit der Künstlerin unterhalten.


Sie sprechen sehr gut Deutsch. Was verbindet Sie mit Deutschland, mit seiner Kultur?
Meine Großmutter sprach Deutsch, außerdem auch Französisch und Latein; sie war eine der wenigen Mädchen am Gymnasium in Prievidza. Prievidza ist eine kleine Stadt in der Mitte der Slowakei. Eigentlich kommt meine Großmutter aus Handlová, einer noch kleineren Stadt oberhalb in den Bergen, und ihr Vater war Bergmann. Bis heute leben dort viele Karpatendeutsche. Und auch meine Familie hat sicher irgendwelche deutsche Wurzeln. Also, meine Großmutter hat mir Deutsch beigebracht. Dann habe ich auf dem Gymnasium eine deutsche Klasse besucht und die mit einem Sprachdiplom des Bundeskulturministeriums beendet. Toll war, dass wir deutsche Lektoren hatten und uns sehr viel mit Literatur beschäftigt haben, mit deutschem Drama und auch mit Filmen.
Kurz nach Öffnung der Grenze war eine Schülerin aus Westdeutschland über einem Austausch in unserer Familie. Das Mädchen war ziemlich am Ende, sie hat nichts gegessen, und hat sich auch die ganze Woche lang nicht gewaschen weil sie wahrscheinlich dachte das Wasser wäre irgendwie anders. Ihre größte Überraschung war, dass wir eine Waschmaschine hatten. Nach 1989 bekamen wir Satellitenfernsehen, plötzlich war da nicht nur mehr ein Sender, sondern ein Meer von ausländischen Kanälen. Ich habe sehr viel MTV, RTL, Pro7 gesehen und dadurch viel Deutsch gehört. Dann gab es eine längere Pause. Zur deutschen Sprache bin ich erst wieder zurückgekehrt als ich „Hamletmaschine“ gemacht habe. Ich denke die deutsche Theatertradition, mit Brecht und dem politischen Theater, aber auch das heutige Doku-Theater, ist sehr speziell, aber auch sehr attraktiv für andere Länder. Dieser Einfluss ist eher in Tschechien sichtbar als in der Slowakei, aber auch hier gibt es ein paar Regisseure, die das deutsches Theater beeinflusst hat. Das slowakische Theater ist ansonsten immer noch mehr am Naturalismus und an der Methodik von Stanislavski orientiert.

Ein Solo nach Heiner Müllers „Hamletmaschine”... das wäre in Deutschland in jedem Fall eine große Herausforderung, nicht nur für den jeweiligen Darsteller, die Darstellerin, auch für das Publikum. Wie muss man sich das vorstellen... da entert eine junge Schauspielerin die Bühne in einer slowakischen Kleinstadt mit einem sehr deutschen, sehr wuchtigen und dabei zweifelnden Text, verfasst von einem hoch politischen, mittelalten, ostdeutschen Dichter?
Ich habe Kulturwissenschaft studiert und Theater am Anfang immer nebenbei gemacht. „Hamletmaschine“ war voll von Fragen die mich quälten, insofern war das für mich sehr persönlich. Mein damaliger Freund, ein Punk, hatte das Buch, eine Sammlung mit Texten von Heiner Müller, in einer Buchhandlung in Žilina gestohlen. Er wusste nichts über den Autor, aber er war überzeugt dass ich es mögen würde weil es „ziemlich düster“ wäre. Ich mochte es tatsächlich sofort, insbesondere „Hamletmaschine“, weil es ohne Rollenzuschreibung war, weil es wie Poesie klang - und es war sehr musikalisch. Und ich fand eine Radioversion davon von den „Einstürzenden Neubauten“; ich war immer sehr beeinflusst von „industrial music“, ich musste es einfach machen. In dem Text ist so viel drin, dass er mich bis heute inspiriert. Ob ich ein Stück über männliche Identität im 21. Jahrhundert mache oder ein Solo über den slowakischen Nationalaufstand von 1944 schreibe, für beides ist „Hamletmaschine“ sehr interessant. Die Reaktionen von den Theaterleuten waren dann eher kühl. Bei bildenden Künstlern war die Annahme besser. Ähnlich war es auch mit „Some Disordered Interior Geometries“ nach Gedichten von Inge und Heiner Müller. Ich denke, das Problem war das völlig fremde Material – und mein freier Umgang damit.

Lesen Sie weiter hier...
Quelle: www.l-iz.de

Videoclip zu "Perform Slovakia"


Der Videoclip für „Off Europa: Perform Slovakia" ist fertig.
Die verwendete Musik entstammt dem Album „afterPhurikane" (Starodávne rómske piesne inak) aus dem Jahr 2010, produziert von (und zu beziehen über) den slowakischen Verlag Žudro.


© lnrdshelby 2013

Programmheft zu Perform Slovakia


Das Programmheft zu „Off Europa: Perform Slovakia" ist entworfen - und gedruckt.
Gestaltung Gabriele Altevers

Off Europa 2013 Cover Programmheft

Hier könnten Sie es sich ansehen und/oder herunterladen.
Off Europa 2013 Programmheft

Wenn Sie uns Ihre Anschrift senden, schicken wir es Ihnen gern per Post.

Off Europa: Perform Slovakia - das Programm


Das Programm für das diesjährige
Off Europa Festival" (vom 14. bis 21. September in Leipzig und Dresden) das der Slowakei gewidmet ist steht fest. Auf den einen oder anderen Künstler wie zum Beispiel Jaro Viňarský müssen wir leider verzichten, eine hoch karätige Auswahl ist es allemal. Wir freuen uns sehr.

Divadlo Na Peróne, Košice & Jan Komárek, Prag
Útroby kravy (Die Innereien der Kühe)
Utroby kravy by Jan Komárek
Foto © Jan Komárek

Sláva Daubnerová / P.A.T., Bratislava
Untitled

Peter Šavel, Brüssel & Kamil Mihalov, Žilina
Shifts
Shifts Peter eingedreht by Stanislav Dobák
Foto © Stanislav Dobák

Milan Tomášik, Ljubljana
Off-Beat

Tomáš Nepšinský, Fribourg
Y.A.N.A.

Debris Company, Bratislava
Dolcissime sirene

Fysické laboratorium Štúdio Matejka, Wroclaw
AWKWARD HAPPINESS / Everything I Don't Remember About Meeting You
Awkward Happiness Wine by Grzegorz Stępień
Foto © Grzegorz Stępień

Details zum Programm sind ab jetzt hier... zu lesen.

Die Slowakei also


Im September 2013: Die Slowakei.

Off Europa Motiv 2013 300dpi 4cGestaltung Gabriele Altevers

Interview für den Leipziger Kreuzer


Antworten auf Fragen an Knut Geißler im Zusammenhang mit einem Artikel im Septemberheft des Leipziger Kreuzer...

Was treibt dich an, jedes Jahr durch entlegene Regionen zu ziehen, um Theater zu schauen?
So entlegen ist das ja meistens gar nicht. Mir geht es darum eine Balance zu finden, nicht nur für das Festival, auch für mich selbst. Natürlich trieb mich die Neugier nach Albanien, in das Kosovo oder vor zehn Jahren nach Serbien. Aber ebenso möchte ich das wenig bekannte Naheliegende entdecken wie demnächst die Slowakei oder vor zwei Jahren die Tschechische Republik. Damals hatte ich im Programmheft geschrieben dass es bei wirklichem Interesse an darstellender Kunst nicht immer Berlin sein muss. Großartiges Theater, jede Menge guten Tanz findet man praktisch um die Ecke auch in Prag.
Abgesehen davon macht es Spaß, einmal im Jahr eine Art theatrales National-Team präsentieren zu können.

Stanica 2
Stanica 2, ein Theaterneubau aus Bierkisten, Stroh und Lehm im slowakischen Žilina.

Was war dein skurrilstes Erlebnis, deine seltsamste Performance, der ungewöhnlichste Ort?
Einer der schönsten Momente war 1999 als die Techniker eines rumänischen Stadttheaters auf dem Gelände von KAOS in Lindenau in zwei Tagen eine Art Arche gebaut haben. Jeden Nagel, jedes Stück Draht hatten die dabei. Bei der dritten Aufführung waren so viele Zuschauer an Bord, dass die schwimmende Bühne beinahe untergegangen wäre. Gefunden hatten wir die Inszenierung in einem früheren Ceauşescu-Refugium am Rande der Ostkarpaten wo Zimmermädchen und Köche für den Regierungschef permanent in Bereitschaft waren, er aber der Legende zu Folge niemals dort auftauchte.

Welches Land, das jetzt nicht in den klassischen Rahmen fällt, würdest du gerne mal besuchen und zu „Off Europa“ holen?
Ich will nicht so weit gehen zu behaupten dass mir das Land egal ist. Aber ich mag vor allem den Vorgang der Tiefenforschung. Bei fast „null“ anzufangen und dann Schritt für Schritt Leute, Orte, Rahmenbedingungen, Inszenierungen kennenzulernen. Europa muss ich dabei nicht verlassen. Da warten noch Länder wie die Ukraine oder Weißrussland. Aber solch eine Recherche riecht nach anderthalb bis zwei Jahren. Und die habe ich - allein, mit stark begrenztem Budget – eigentlich nicht.

Was für ein Theater gefällt dir in Deutschland?
Es gab ja in einundzwanzig Jahren MANöVER / Off Europa immerhin fünf deutsche Ausgaben. Und da erschienen Künstler wie Stefan Pucher, Albrecht Hirche, Sebastian Hartmann oder „She She Pop“ Jahre bevor sie richtig bekannt wurden. Im Moment fehlt mir für Theater aus Deutschland jegliche Leidenschaft. Das Festival hat ja nicht ohne Grund seinen Namen geändert. Mich interessiert nicht was man überall kriegen kann, sondern das, was man findet wenn man sucht. Im Off, am Rand. Und ich weiß nicht, ob es in Deutschland so etwas Kraftvolles gibt wie Belgrads „Plavo pozorište“, etwas schräg Verspieltes wie Handa Gote aus Prag oder um auf dieses Jahr zu kommen so etwas Intensives wie Çağlar Yiğitoğulları oder „oyun deposu“ aus Istanbul.

Wenn du nicht gerade Festivals planst, was sind deine Hobbys und Betätigungen?
Ich plane immer Festivals. Scheint Arbeit, Leben und Hobby zu sein. Aber nein. Ich würde gern auch wieder inszenieren. Wieder mal nach Bosnien fahren. Und mit einem Kajak auf rumänischen Flüssen.

Mit welcher Theatergruppe warst du damals mit dem Stück „Rattenjagd“ auf Tour?
Das war in einem anderen Land. Lassen wir sie ruhen, die abgespielten Theaterstücke.

Die Fragen stellte Kreuzer-Autor Torben Ibs im August 2012.

Gespräch mit Ilyas Odman


Aus einem Gespräch mit dem Istanbuler Choreographen und Tänzer Ilyas Odman, der bei
Off Europa: Türkei urban" am 17. September in Leipzig und am 19. September in Dresden mit seinem Erfolgsstück Glassteps" gastieren wird.

Kannst du mit ein paar Sätzen deine Arbeitsbedingungen beschreiben?
Ich bin einer der unabhängigen Künstler in Istanbul der glücklich ist über die Arbeitsbedingungen, und das wegen meiner Strategie, die ich versuche zu erhalten. Ich versuche einfach die Orte an denen ich arbeite in Räume für zeitgenössische Kunst zu verwandeln. Angefangen habe ich in Kargart, einem kleinen Kulturort. Ich produzierte dort Stücke und habe junge Künstler eingeladen aufzutreten. Nachdem das erfolgreich war, habe ich es immer so gehalten. Ich gebe Unterricht, beteilige mich auch an Mainstream-Arbeiten, und mittlerweile habe ich meinen eigenen Bereich wo ich produziere und mit anderen Künstlern Arbeit teile.

Ilays Odman in Cam Adimlar

Gibt es genügend Nachfrage für Gastspiele im Ausland?

Meine Tourneen ins Ausland sind meine Haupteinnahmequelle. Bis jetzt war ich in Amsterdam, Utrecht, Paris, Turin, Mailand, Bra, Bologna, Catania, Mazedonien, Berlin, Saragossa, Huarte, Antwerpen. In der Türkei sind Istanbul, Ankara und Eskişehir die wichtigsten Städte. Wichtig sind auch die Residenzprojekte zu denen man eingeladen wird.

Wie findest du finanzielle Unterstützung?
Wenn ich nicht im Ausland arbeite, als eingeladener Künstler oder in einer Residenz, habe ich keine finanzielle Unterstützung. Die Regierung, die Kulturverwaltung erkennt uns freie Künstler nicht an, weil wir keine Institution sind – und unterstützt uns nicht.

Du sprachst vorhin - etwas aufgebracht - auf dem Podium über einen "Vorteil in einer Situation der permanenten Benachteiligung"...
Nach der letzten „Attacke“ der Kulturverwaltung auf die Stadttheater ist klar, dass Künstler unter dem Dach einer staatlichen Organisation keine zeitgenössische Kunst machen können. Es gibt keinen Nachteil oder Vorteil mehr unabhängig zu sein – das ist in diesen Tagen die einzige Art Kunst zu produzieren in der Türkei.

Du bist also "frei" zu tun was du möchtest, aber auch "frei" von Unterstützung. Denkst du dass deine Arbeit eine andere Authentizität vorweisen kann als die wohl behüteten, oft sehr gut geförderten, clever geplanten Theaterarbeiten im Westen Europas in ihrem oft seltsamen System von Orten, Produzenten, Kuratoren und Stiftungen?
Wir können nicht leugnen, dass es so aussieht als ob die „türkische“ Identität ein neues, charmantes Konzept für den „europäischen“ Kunst-Sektor ist. Die neue Definition der Ränder Europas schafft ein solches Interesse. Das wiederum übt manchmal einen Druck auf die Künstler aus, weil diese fühlen, dass sie gerade zu dieser Identität produzieren sollten.

Die Fragen stellte Knut Geißler im April 2012 in Istanbul.

Der Trailer zu "Türkei urban"


Der Trailer zum Festival...


© lnrdshelby 2012

Programmheft fertig...


Das Programmheft zu „Off Europa: Türkei urban" ist fertig entworfen.
Gestaltung wie in den letzten Jahren immer durch Gabriele Altevers.
Gedruckt wird bei der Firma Koch in Halberstadt.

Motiv

Hier können Sie das Programmheft als pdf herunterladen.
Wenn Sie es zugesendet haben wollen senden Sie uns eine kurze Nachricht.

Plakat für "Türkei urban"


Das Plakat jetzt in endgültiger Version.

Off Europa 2012 Plakat A1
Gestaltung Gabriele Altevers nach einem Foto von Nina Lili Friedrich

Auf der Suche


Kurze Visite in Prag beim Festival
Malá inventura"... auch um Kontakte in die Slowakische Republik für den Jahrgang 2013 zu knüpfen. Dabei gab es mindestens drei bemerkenswerte Abende zu erleben.

„Kolik váží vaše touha?" (Wieviel wiegt deine Sehnsucht?) fragen vier Tänzerinnen der Company „VerTeDans" im Theater Ponec, Prags wichtigster Spielstätte für zeitgenössischen Tanz. Und exerzieren mit wenig manieriertem, konsequent eingesetztem Bewegungsmaterial einen ganzen Kosmos von Befindlichkeit und zwischenweiblichen Beziehungen. Frau bietet sich an oder nimmt was sie kriegen kann, fügt sich Schmerzen zu oder küsst, wirkt bestimmt oder hilflos. All das in dramaturgischen Schleifen, die sich zunehmend verdichten und verschärfen. Da ist die exzellente Band ZRNÍ hinter dem Vorhang beinahe überflüssig, aber von den Zuschauern eine gern genommene Zugabe.
Konzeptioneller und auf andere Weise hoch politisch Veronika Švábovás Beschäftigung mit der eigenen Familie. Entschuldigend und stolz zugleich fällt am Anfang der Satz "Bei und wurde nie etwas weggeschmissen." Die Bühne eine Versuchsanordnung aus Technik und Erinnerungsmaterialien, aufwändig und virtuos bedient, animiert von Švábovás Mitstreitern von der Künstlergruppe „Handa Gote". Beinahe kühl wird berichtet von der Stigmatisierung und letztlich Vernichtung von Teilen der Familie durch die deutschen Besatzungsmacht, von der Urgroßtante, die eine Muse Leoš Janáčeks gewesen war, oder vom Bruder des Großvaters, der nach dem zweiten Weltkrieg in einem Schauprozess angeklagt wurde. Kein Dokutheater, eher eine Doku-Installation, manche mögen das beklagen - in jedem Fall sind die Biographien, die Fülle des Materials beindruckend, zum Mitdenken herausfordernd.

Mraky

Bleibt zu berichten von einem Gipfeltreffen des raben-schwarzen tschechischen Humors, von „Plošina" (Plattform), wo fünf Männer, abgeschieden von der Gesellschaft auf einer Bohrinsel/Eisscholle/im Atomkraftwerk Arbeiten - und letztlich Zusammenleben üben. Ein Fehler in den Abläufen lässt das zunächst strukturierte Geschehen auf der Bühne aus dem Ruder laufen, Flachpaletten beginnen zu tanzen, ein Kopierer macht sich selbstständig. „Wariot Ideal" nennt sich die Gruppe, und sie hat ein poetisches Märchen über den Albtraum Existenz kreiert, wo nicht ein Wort gesagt werden muss - und alle Fragen auf angenehmste Weise offen bleiben.

Gespräch: Ich mag kein lackiertes Theater


Knut Geißler kennt die osteuropäischen Theater-Provinzen wie kaum ein Anderer. Der Leipziger kuratiert seit 18 Jahren das Festival „Off Europa“. In der kommenden Woche läuft in Leipzig und Dresden seine aktuelle Werkschau: in diesem Jahr mit Theater aus Tschechien. Stefan Kanis hat mit ihm gesprochen

Vor 20 Jahren ist die DDR dem Westen beigetreten. Fast ebenso lang gibt es bereits „Off Europa“? Was hat sich seither bewegt? Ist uns Ost-Europa nur anders fern als damals?
Ich glaube nicht, dass sich Deutschland wirklich bewegt hat. Osteuropa ist durch die Wende ja aufgesprengt worden. Das war sehr wohl eine Bewegung. Seit dem EU-Beitritt holen manche Länder stark auf, aber umso weiter südlich man kommt, desto fragiler wird das. Ich bemühe mich, genau hinzuschauen und mir die Frage zu beantworten: Wie generiert man Interesse für dieses andere? Im letzten Jahr, bei Bosnien, war es wichtig eine detaillierte Programmzeitung mit ein bisschen politischer Landeskunde zu machen. Das wurde gern gelesen. Im Falle des Nachbarlandes wie Tschechien wäre das anmaßend. Solche Sachen muss man bedenken.

Wie wird Freies Theater in Tschechien aufgenommen?
Tschechien ist uns als Nachbar insofern nah, als dass man Prag und Olomouc nicht vergleichen kann. Wie man Berlin und Wiesbaden nicht vergleichen kann. In Prag geht das Publikum mit großer Selbstverständlichkeit auch in kleine Theater, man spürt dort auch die Tradition dieser Bühnen. Es gibt auch nicht die Wahrnehmung: Das ist jetzt Off-Theater und irgendwie Kunst zweiter Klasse. Das ist schon ein Unterschied zu Leipzig.

Tschechiens Wirtschaft wächst kräftig. Die Menschen sprechen ein besseres Englisch als hierzulande. Ist Tschechien schon westeuropäischer als Ostdeutschland? Spiegelt sich das in den Produktionen?
Man muss die Produktionen von den Künstlern unterscheiden. Viele Tänzer und Performer in Tschechien verfügen über eine breite Workshop- und Ausbildungsbiografie, gerade weil man noch immer so eine unsichtbare Grenze überschreiten muss. Da sind die Deutschen bequemer. Und mit der Ausbildung in Amsterdam oder Kopenhagen wird natürlich auch der eine oder andere westeuropäische Trend kopiert. Aber das war eher ein Thema der späten Neunziger Jahre. Die Tschechen sind ein sehr eigenständig denkendes Volk. Und sie sind längst in der EU angekommen. Das wird dann auch nicht mehr andauernd problematisiert. Da interessiert die Künstler schon mehr die eigene Geschichte. Im Eröffnungsabend „Ekran“ spiegelt sich das über einen offenen Umgang mit den Dokumenten des vergessenen Alltags. Das wird nicht diskursiv zugespitzt, sondern bleibt in einer sympathischen Weise unabgerundet, sanft und witzig. Das ist dann doch sehr tschechisch.

Und das liegt Ihnen auch nahe?
Sicher. Ich mache bewusst einen Bogen um lackierte, auf Ergebnis hin inszenierte Produktionen. Ich liebe die kleineren Formen, ich brauche kein Theater, das aus dem Vollen schöpfen kann. Ich mag dieses kleinteilige Arbeiten und das findet man häufig in Prag.

Lesen Sie weiter hier...
Veröffentlicht in der Leipziger Volkszeitung am 20. September 2010
Quelle: www.sperrsitz.net

Kritik: Shoshë im LOFFT


Flötentöne hauchen Windgeräusche, ein Piano spielt den Mond an, ein Tenor aus dem Off besingt ihn. Davon betört, geht der Mond gemächlich auf. Er zeigt sich in seiner ganzen Schönheit und hüllt den Raum in sein mystisches Licht. Vom Mond hypnotisiert, verlassen wir die Erde und tauchen ein, in einen anderen, grenzenlosen Raum. Wir fassen Fuß in einer Welt, die nach anderen Mustern funktioniert, von Gedichten, Musik und Bewegungen getragen wird und alle Sprachen spricht – in der Welt der Kunst."

Dass die Aufführung - trotz weniger Zuschauer in Dresden und auch in Leipzig - hörens- und sehenswert gewesen sein muss bezeugt die Besprechung von Sarah Schramm auf Leipzig Almanach...

Im Blick: Udhëtimet e Lizës


„Es gibt Orte auf der Welt, über die man wenig bis gar nichts weiß. In Südosteuropa gibt es ein Land, das Albanien heißt und auf ein Gewohnheitsrecht zugreift, das so manche Zeitgenossin schlucken lässt. Es geht um Blutrache, Abtreibungen im fünften Monat, Vergewaltigung, Unterdrückung - mitten im 21. Jahrhundert."

Über die Aufführung Udhëtimet e Lizës (Alices Reisen) von Enton Kaca und Teatri i Ri aus Tirana schreibt Daniel Thalheim am 22. September in der Leipziger Internet Zeitung und auf Leipzig Almanach macht sich Alexandra Hennig Gedanken über "Macht, Ehre und Tod" - und über kulturelle Unterschiede.

Teatri Oda in Dresden


Albanien? Kosovo? Balkan. Krisengebiet. – Diese einfach abzuspulende Assoziation dürfte dominieren, würde man die Eingangsfragen nach besagten Ländern stellen. Aber was liegt eigentlich hinter den Schlagzeilen, hinter dem ganzen Es-wird-nur-berichtet-wenn’s-Tote-gibt? Wenn Landstriche medial so stark von einem Konflikt geprägt sind, finden dann andere Lebensumstände, die nichts mit einem schwelenden Streit um Grenzen und internationale Anerkennung zu tun haben, Kanäle, um über sich mitzuteilen? Vielleicht nicht in den Nachrichten. Im Theater schon."

Über die Aufführung Kanuni des Teatri Oda aus Prishtina schreibt Torsten Klaus am 21. September in den Dresdner Neuesten Nachrichten...

Mich langweilt diese ständige Gier nach Erneuerung


Sein Fokus liegt auf östlichen Mitteleuropa sowie auf Südosteuropa. Dort gibt es spannendes Tanz- und Szenetheater. Der Leipziger Autor und Regisseur Knut Geißler veranstaltet seit 1992 jenes Tanztheaterfestival, das seit 2005 "Off Europa" heißt. Im L-IZ-Interview erzählt er wie sein Blick auf Albanien und Kosovo fiel und was er dort vorfand.

„Off Europa“ steht bald ins Haus mit einem Blick auf Albanien und Kosovo. Warum diese beiden Länder?
Prinzipiell gibt es sehr viele Länder, die mich brennend interessieren. Weil man im Normalfall wenig über sie erfährt. Da gerät logischerweise irgendwann auch Albanien in den Blick. Andererseits: Was Theater und Tanz betrifft, versuche ich früher da zu sein als die großen Veranstalter, die Künstler immer erst einladen wenn sie „geprüft“ sind und Erfolg versprechen. Ich prüfe lieber selbst. Im nächsten Jahr werde ich mit der Türkei zum ersten Mal einem aktuellen Hype hinterher recherchieren. Aber auch das wird interessant. Dann findet man die Dinge unter den Oberflächen. Politisch brisant wäre im Moment wohl Ungarn. Aber man kann sich nicht zerreißen.

Gibt es Unterschiede zu den anderen Staaten, die schon thematisch bei „Off Europa“ auftauchten?
Albanien und vor allem das Kosovo sind noch mehr „abgetrennt“ vom restlichen Europa als zum Beispiel Bosnien oder Serbien. Eine Folge der besonders extremen Auslegung des Sozialismus in Albanien und der letztlich „künstlichen“ Einbettung eines überwiegend von Albanern besiedelten Landstriches in die südslawische Föderation. Allein wenn man das so betrachtet ist die Loslösung und Unabhängigkeit des Kosovo folgerichtig. Genauso wie das Ausschließen einer albanischen Wiedervereinigung Unsinn ist.

Wie schätzt Du die (Tanz)-Theaterszene in Albanien und Kosovo persönlich ein - gibt es dort Entwicklungen, die neu oder anders sind als die im übrigen Europa?
Mich langweilt diese ständige Gier nach Erneuerung. Mich interessiert eher Vertiefung, das genauere Hinsehen. Und da gefällt mir die Gelassenheit, mit der man fast überall in Süd-Ost-Europa eigene Wege geht. Nichts unbedingt Neues erfindet, aber eben auch nicht jedem Trend hinterher hechelt.

Lesen Sie weiter hier...
Die Fragen stellte Daniel Thalheim.
Quelle: www.l-iz.de

Videoclip zu univers shqiptar


Jetzt ist auch das Video zum Festival da...



© lnrdshelby 2011

Interview Shekulli


In der großen albanischen Tageszeitung Shekulli wurde am 26. August ein Interview mit Knut Geißler veröffentlicht. Ein Auszug...

Bild 1

Why this tribute to albanian culture?
Es ist die Neugier, die ein solches, eher kleines und spezielles Festival am Leben hält. Und die ständige Neuausrichtung. Natürlich nicht mit dem Finger auf der Landkarte, sondern geleitet von der Frage, was von Bedeutung, von Interesse sein könnte. Albanien ist in Zentraleuropa ganz sicher ein kommendes Thema. Und eine Beschäftigung mit Kunst und Kultur dann das Meinige.

What did you know before and now about this culture?
Wenn man wenig über ein Land weiß - das fängt ja bereits mit Geographie an und geht weiter über die Infrastruktur – ist meine Arbeit immer eine Entdeckungsreise mit großem Gewinn. Ich kannte zuvor nur sehr wenige Theaterkünstler, habe mich auf mehreren Reisen sozusagen heran gefragt, heran getastet, nach persönlichen Anknüpfungspunkten gesucht. Ich bin immer etwas skeptisch gegenüber diesen großen Institutionen und Autoritäten, die – wie Sie wissen – auch in Albanien das Theater in Wesentlichen ausmachen. Mein Eindruck ist, dass das Theater in Albanien vor allem eine Art „Dienstleistung“ ist. Wirkliche Kunst, Experimente sind die Ausnahme, sind Gelegenheiten vorbehalten, die keine bestimmten Erwartungen bedienen müssen.

Could you make any comparison between the projects from different parts of this world and how do they approache to albanian topics?
Da müsste ich zurück fragen, was ein typisches albanisches Thema wäre. Im Kosovo ist das sicher schon völlig anders als in Albanien selbst. In der Diaspora bleibt oft nur die Mitteilung, dass die... oder derjenige... „eigentlich aus Albanien stammt“. Deshalb spielte für mich jemand wie der in Frankreich lebende Choreograph Angelin Preljocaj auch keine Rolle, weil er wenig bis nichts mit Albanien zu tun hat. Ansonsten sehe ich mich nicht in der Situation etwas bewerten zu wollen. Ich versuche einfach das Land, die Kultur der Region über ihre zeitgenössische darstellende Kunst vorzustellen. Auch weil das sonst selten jemand tut.

Do you have now any clearer definition about albanian culture?
Ich kann nach drei Reisen nicht so tun als ob ich Ihr Volk, Ihre Kultur begriffen hätte. Ich habe nur ein ziemlich plastisches Gefühl dafür entwickelt, dass diese Phase großer Abschottung im Falle Albanien und die Auseinandersetzung mit (oder die Abgrenzung von) den Serben im Kosovo Ihr Volk sehr geprägt, möglicherweise auch sehr verändert haben. Und so etwas hat immer Einfluss auch auf Kunst und Kultur. Wenn man zu diesen Erfahrungen Ihre starken Traditionen hinzudenkt, den Familienzusammenhalt, auch den Stolz... dann ist das ein großer Schatz, ein Reservoir aus dem man als Mensch in einer sich immer ähnlicher werdenden Welt schöpfen kann.

Die Fragen stellte die Theaterredakteurin Elsa Demo.
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erste Postkarte 2011...


Postkarte 1 Variante 2

gestaltet von Gabi Altevers

univers shqiptar


Es hat 'ne Weile gedauert, aber jetzt ist es fertig, das Programm von Off Europa 2011. Die Welt der Albaner - sinngemäß - ist der Jahrgang untertitelt. Eine kleine Auswahl von (im weitesten Sinne) Theaterarbeiten aus Albanien und dem Kosovo.

Wer wird zu Gast sein, in Leipzig und in Dresden?
Prishtinas - nach dem Krieg mit privatem Geld gegründetes - einziges regelmäßig spielendes Freies Theater Oda ebenso wie Albaniens einziges Tanztheater. Dazu zwei ungewöhnliche, eher experimentelle Arbeiten: Der Versuch des jungen Regisseurs Enton Kaca, Theater anders als in Albanien gemeinhin üblich zu interpretieren und ein musikalisch-visuelles Gesamtkunstwerk der kosovarischen Musikerin und Konzeptkünstlerin Erëmira Çitaku.
Dazu Filme und Konzerte, Lesungen, Gespräche und anderes mehr.
Kurz: Ein kleines Festival wird versuchen zwei wenig präsenten Ländern Öffentlichkeit zu verschaffen.
Wir freuen uns auf aufgeschlossenes Publikum. Seit 2008 in immerhin zwei Städten.