Off Europa: Wunde Bosnien
Leipzig + Dresden, 3. - 10. Oktober 2009

Mädchen in Mostar
Foto © Nina Lili Friedrich

Dječije pozorište Republike Srpske, Banja Luka
Postojani Olovni Vojnik (Der standhafte Zinnsoldat)
Sarajevski Ratni Teatar Bog, Rat i Ostalo (Gott, Krieg und Anderes)
Jasmina Prolić, Sarajevo/Orlean Fragments de Sarajevo
Saša Asentić, Banja Luka/Novi Sad My private biopolitics

Konzert Amira Medunjanin Sarajevo
Konzert Damir Imamović Trio Sarajevo

Filme
Gori Vatra (Es brennt)
Ljeto u zlatnoj dolini (Summer in the golden valley)
Grbavica – Esmas Geheimnis
Kratki Igrani Filmovi (refresh Kurzfilme)

So nah so fern, so fern so nah
Manchmal scheint er auf, der Gedanke, dass es Sachverhalte, Menschen oder Dinge von denen gelegentlich geredet wird - oder die in periodischen Abständen durch die internationale Medienwelt geistern - in Wirklichkeit gar nicht gibt. Bosnien-Herzegowina ist hierfür ein gutes Beispiel: Eben noch durch einen Jahre langen, brutalen Bürgerkrieg in aller Munde, verschwand das abstrakt und fremd erscheinende Staatengebilde von den Fernsehschirmen dieser Welt, um von Zeit zu Zeit mit Meldungen über abgesetzte Regierungsmitglieder, von ethnisch motivierten Gewalttaten, über begabte Fußballspieler - oder beim „Grand Prix de Eurovision“ wieder aufzutauchen.
Bosnien-Herzegowina, Hand auf’s Herz: Gibt es das wirklich? Und wenn ja, was genau ist das?
(...)
In der von der Zeitschrift „Theater der Zeit“ herausgegebenen Recherche 61 „Landvermessungen - Theaterlandschaften in Mittel-, Ost- und Südosteuropa“ schreibt der bosnische Schriftsteller und Dramaturg Almir Basovič unter anderem folgendes: „Während der mittelalterlichen Belagerung Sarajevos, die von 1992 bis 1995 dauerte, ereignete sich etwas Merkwürdiges: In einer Stadt ohne Strom, Wasser und genügend Nahrung funktionierte das Theater besser als heute“. Die Beobachtung wird richtig sein, doch zum Glück ist sie VERGANGENHEIT - und nicht länger relevant. „Off Europa“ war als ein Festival der Bestandsaufnahmen nie an Ausnahmezuständen interessiert, sondern immer eher an Einfühlung in Alltag und Normalität. Genau deshalb haben wir keine Inszenierungen eingeladen, die von klugen Managern für das Ausland konzipiert wurden. Genau deshalb waren oft die großen Theater weniger interessant. Die kleinen Welten, die Nachbarschaften - und die kleinen Schritte, die man in ihnen tut, waren das Bemerkenswerteste in Bosnien-Herzegowina, einem Land das vor allem um so etwas banal erscheinendes wie jene Normalität ringt. Das einen Krieg bewältigen will und muss.
Aufmerksamkeit und Normalität. Das ist es, was wir Bosnien-Herzegowina - und seinem Theater – am Dringendsten wünschen.
(aus dem Vorwort der Programmzeitung)